Schwerpunkt Haushalt (VI): Ans Eingemachte

In der öffentlichen Diskussion werden die bekannt gewordenen Pläne der Ratsmehrheit zur Haushaltskonsolidierung teilweise kritisiert, weil sie nicht eben ein großer Wurf seien. Peter Tischer (CDU) entgegnet dem, dass ein solcher großer Wurf weder von den Bürgern gewünscht ist, noch von Jamaika oder SDV je versprochen worden sei. Sparen ist ein mühsames und langwieriges Projekt.

Doch schon die fest für den Haushalt 2010 veranschlagten Maßnahmen, stoßen auf Widerstand. Die Schließung der Gemeindeschwesternstation und die Streichung des Seniorenpasses werden als soziale Härte empfunden und die Kritik an einer Erhöhung der Parkgebühren wird nicht lange auf sich warten lassen. Wie wird da erst der Protest gegen einige wirklich brisanten Überlegungen ausfallen, die derzeit nur als Prüfaufträge formuliert sind.

Zudem reichen diese Maßnahmen noch lange nicht aus, den Haushalt auch nur annähernd in die Waage zu bringen. Im schwierigen Jahr 2010 sowieso nicht. Aber auch bei sich erholender Einnahmesituation sind in den nächsten Jahren umsetzbare Sparideen gefragt.

Für den Verwaltungshaushalt sind im Haushaltssicherungskonzept 2010 sieben Maßnahmen formuliert worden:

Die zwei ersten Punkte – Kreisschulen und Grundschule Altjührden – richten sich an den Landkreis. In Varel gibt es Schulen, für die vornehmlich der Landkreis in der Verantwortung steht. Um andere – bspw. die Grundschulen – kümmert sich die Stadt. Teilweise gibt es jedoch Überschneidungen. So übernimmt die Stadt bestimmte Aufgaben an den Kreisschulen, in Altjührden ist mit der Pestalozzischule eine Kreisschule in einer städtischen Grundschule “zu Gast”.

Wer in dieser Konstellation welche Kosten trägt, ist letztlich Verhandlungssache. Die Stadtverwaltung wird deshalb beauftragt, die Position der Stadt zu stärken. Aus Sicht der Ratsmehrheit gibt es gut Argumente, den Landkreis stärker in die finanzielle Verantwortung zu nehmen. Das Sparpotential wird auf jährlich insgesamt 18.000 Euro veranschlagt.

Zusammenlegung von Gartenamt und Bauhof

Die Aufgabenbereiche von Gartenamt und Bauhof überschneiden sich teilweise deutlich. Die Idee, diese Bereiche zusammenlegen ist daher nicht neu. Doch jetzt soll die Sache zügig angegangen werden. Dabei möchte man seitens der Ratsmehrheit möglichst das gesamte Optimierungspotential ausschöpfen. Um das zu ermöglichen, setzt man auf externe Gutachter.

In 2010 entstehen daher zunächst zusätzliche Kosten von 30.000 Euro. Doch schon in 2011 stehen Minderausgaben von 40.000, ab 2012 dann von 80.000 Euro im Plan.

Fremdenverkehrsabgabe

Ebenfalls Gutachterkosten – vorgesehen sind 70.000 Euro – sind für die Einführung einer Fremdenverkehrsabgabe vorgesehen. Von einigen Ratsmitgliedern – etwa von der MMW – wird eine solche Abgabe seit Jahren eingefordert. Bislang war dafür jedoch keine Mehrheit zu gewinnen. Das scheint sich angesichts der Haushaltsprobleme nun zu ändern.

Um bei der Einführung der Abgabe auf der sicheren Seite zu sein, hält man ein umfangreiches Organisations- und Rechtsgutachten für erforderlich. Sofern die geplanten Einnahmen von 120.000 Euro ab 2011 tatsächlich fließen, erscheinen des Kosten vertretbar.

Stadtbibliothek

Die Stadtbibliothek steht seit langem in der Diskussion. Zwar sind sich alle Ratsvertreter weitgehend einig, dass eine Stadt wie Varel eine solche Einrichtung unbedingt braucht. Über das ob und wie gibt es aber schon seit Jahren immer wieder Auseinandersetzungen. Jetzt soll – kostenfreie – externe Beratung hinzu gezogen werden.

Wie es mit der Bibliothek weitergehen kann, wird spätestens zu den Haushaltsberatungen für 2011 wieder auf der Agenda stehen. Mehr- oder Minderausgaben sind nicht budgetiert.

Freibad

Die vermutlich größte Brisanz unter den Prüfaufträgen im Verwaltungshaushalt birgt die Zukunft des Freibades am Bäker. Das – in guten Sommern – äußerst beliebte Bad kostet die Stadt jährlich gut 77.000 Euro. Eine Summe, die allerdings nicht einmal den dauerhaften Erhalt  sichert. Die technischen Anlagen haben ihre Lebenslaufzeit überschritten und müssten ersetzt werden.

Die Ratsmehrheit ist daher nicht gewillt, weiter für die Instandhaltung der alten Anlagen zu zahlen. Das spart in diesem Jahr sofort 5.000 Euro.

Im Laufe des Jahres muss zudem ein  – privater oder gemeinnütziger – Betreiber für das Bad gefunden werden. Andernfalls steht das Freibad wohl endgültig zu Disposition. Das Einsparpotential beträgt damit – so oder so – ab 2011 77.000 Euro.

Verlustabdeckung im Eigenbetrieb Dangast

Der Eigenbetrieb Dangast tauchte schon in den fest veranschlagten Maßnahmen einmal auf. Doch ein Betrieb mit Millionenverlusten ist selbst bei voller Umsetzung der eingeplanten Einsparung von 185.200 Euro weiter ein Sanierungsfall.

Bei der vorgeschlagenen Prüfung geht es konkret darum, den Betrieb des Vareler Hallenbades mit dem des Quellbades zusammenzulegen. Gedacht ist etwa daran, das Quellbad in den schwachen Wintermonaten ganz zu schließen und die Schließzeiten des Hallenbades im Sommer auszudehnen und dann lediglich für die Nutzung durch Schulen offen zu halten.

Verbunden mit einer flexiblen Personaleinsatzplanung (Arbeitszeitkonten) rechnet man bei den Betriebskosten (im Quellbad) und beim Personalaufwand mit deutlich spürbaren Effekten. In welcher Höhe ist jedoch zunächst offen.

*****

Soweit also zu den Prüfaufträgen für den Verwaltungshaushalt. Zwei weitere Prüfaufträge betreffen den Vermögenshaushalt, die Thema eines weiteren Schwerpunktbeitrages sein werden.

Beiträge im Schwerpunkt Haushalt 2010:

13. Februar 2010 von Djure Meinen
Kategorien: Haushalt, Varel | Schlagwörter: , , , , , , , | 9 Kommentare

Kommentare (9)

  1. Pingback: Schwerpunkt Haushalt 2010 (I): Die Ausgangslage – Ein Blog für Varel

  2. Pingback: Schwerpunkt Haushalt 2010 (II): Wo wird gespart? – Ein Blog für Varel

  3. Pingback: Schwerpunkt Haushalt (V): Bernd Köhler (SDV) in der NWZ – Ein Blog für Varel

  4. Hallo Herr Tischer! Ein großer Wurf ist von den Bürgern nicht gewünscht? Also ich bin nicht gefragt worden. Vielleicht mal ein bisschen mutiger an die Sache rangehen, sonst wird das nix.

  5. Ach ja, falls es Bedenken gegenüber großen Würfen gibt, hier noch ein Rat vom Politikphilosophen Niccolò Machiavelli von vor 500 Jahren: »Der Eroberer [Anm.: hier die neue Mehrheit im Rat] muss alle Grausamkeiten auf einmal begehen, damit er es nicht nötig hat, jeden Tag von vorn anzufangen; so kann er die Leute beruhigen und sie mit Wohltaten für sich gewinnen.«
    Viel Spaß bei der Umsetzung.

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  8. Ich bin politisch vielleicht nicht so bewandert und habe ja keinen Einblick in den Haushalt und vielleicht verstehe ich deshalb so manches nicht.
    Das Geld ist knapp, keine Frage. Wie man wieder zu Geld kommt ist auch eine schwere Frage. Man will sparen, so z.B. bei den Dingen, die für den Einwohner Varels direkt sichtbar und bemerkbar sind.
    Mit den Dingen meine ich Freibad, Straßenbeleuchtung, Bibliothek usw. Solche Dinge sind u.a. für mich als Bürger wichtige Faktoren um mich in einer Stadt niederzulassen. (Was wiederum bedeutet, dass die Stadt an jeden neuen Einwohner “verdient”.)
    Es ist ein Teil von Lebensqualität bzw. Standortfaktor. Natürlich kostet das alles Geld, aber manche Dinge sind auch vielleicht selbst gemachte Leiden. So z.B. in der Bibliothek.
    Ich nutze die Bibliothek sehr stark. Die Preise sind schon immer mehr als fair gewesen. Nun wurden die Preise/Tarife geändert, doch statt die Leihgebühren zu erhöhen, hat die Stadt die Preise indirekt gesenkt, so dass der Ertrag niedriger wird. – http://www.varel.de/bibliothek_gebuehren.php
    Betrachtet man die Höhe der Schulden, so sind diese lebensqualitätssteigernden Dinge doch nur Tropfen auf den heißen Stein. Es gibt bestimmt andere Einsparmöglichkeiten.
    Wie gesagt, ich bin kein Fachmann, aber wenn ich mich hier halt in unserer Region umschaue, so sehe ich kleinere Städte/Gemeinden, die trotz wenig Geld in den Kassen besser wirtschaften und es schaffen mehr aus ihren gegebenen Möglichkeiten (Schwerpunkt Tourismus usw.)
    (http://www.nordsee-spielstadt-wangerland.de/) herauszuholen.

    Es würden jetzt den Rahmen sprengen auf alles konkreter einzugehen, aber ich finde es sind es sind hier die falschen Ansätze.
    Warum will man da kürzen, was sowieso in Varel schon rar ist wie z.B. bei den Freizeitmöglichkeiten.

    Wie gesagt, ist vielleicht eine sehr naive Sicht von mir, aber ich kann das leider nicht nicht alles nachvollziehen, was hier gerade passiert.
    Als Vareler Lokalpatriot möchte ich das aber.

  9. Pingback: Ein Blog für Varel » Schwerpunkt Haushalt 2010 (VII): Tafelsilber?!

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