Streekmoorweg: Mehr Mut für Lebensqualität

Ob man mit 30 oder 50 durch eine Wohnstraße fährt, kann darüber entscheiden, ob ein Kind unverletzt bleibt oder stirbt.* Ein Mantra, das eigentlich jeder Autofahrer täglich aufsagen sollte, bevor er den Zündschlüssel herumdreht.

Die Realität sieht anders aus. Die Akzeptanz von Geschwindigkeitsbeschränkungen ist eher gering. Und mal ehrlich: Wer hält sich in Spielstraßen wirklich an das Gebot der Schrittgeschwindigkeit? Wer nutzt in 30er Zonen nicht die Gewissheit aus, dass sowieso fast nie kontrolliert wird? Und wer reizt in geschlossenen Ortschaften nicht gerne mal die großzügigen Toleranzen bei Verkehrskontrollen aus und fährt eher knapp über 60 als die vorgeschriebenen 50?

Viele halten diese Überschreitungen für Bagatelldelikte oder gar für gerechtfertigt. Die Straße gehört schließlich den Autofahrern. Mit – siehe oben – oft fatalen Folgen.

Vor diesem Hintergrund mutet das Lavieren von Verwaltung, Rat und Polizei und letztlich auch den Anwohnern bei der Durchsetzung von Tempo 30 im Streekmoorweg befremdlich an. Dort wird – das zeigen neue Messungen – zu schnell gefahren. Zwar bleiben 85 Prozent der Fahrzeuglenker unter 50 km/h, viele davon aber nur knapp. Und immerhin 15 Prozent sind eben auch schneller. Darunter PKW mit über 80 und Lieferwagen mit weit über 70 km/h.

Ein Zustand, der scheinbar seitens der Behörden als normal eingestuft wird. Die Vorlage für die heutige Beratung im Bauausschuss zitiert die Einschätzung der Polizei zu den Messungen als “moderat”.

Die Anwohner am Streekmoorweg hatten sich Bodenschwellen für ihre Straße gewünscht, um zumindest die übelsten Raser auszubremsen. Das wird seitens der Verwaltung – nicht zuletzt wegen Einwänden der Polizei – aus formalen Gründen abgelehnt. Denn Bodenwellen sind nur in 30er-Zonen, nicht jedoch im Bereich einfacher Geschwindigkeitsbeschränkungen zulässig.

Wer nun glaubt, dann könnte man ja eine entsprechende Zone einrichten, wird wiederum eines besseren belehrt. Auch dagegen stehen formale Gründe im Raum.

Sachlich nachvollziehbar ist das alles kaum. Der Streekmoorweg ist für Durchgangsverkehre alles andere als geeignet. Außer den Anliegern muss niemand dort entlang fahren. Dass er dennoch gerne als Abkürzung aus Büppel Richtung Wesermarsch genutzt wird, ist noch einmal ein Thema für sich. Niemandem entstünde also durch paar Bodenschwellen ein objektiv nachvollziehbarer Nachteil.

Ich würde mir an solchen Stellen wünschen, dass Verwaltung und Rat unsinnige Vorschriften einfach mal hinten an stellten und gesunden Menschenverstand walten ließen. Es geht schließlich um Lebensqualität und Sicherheit für Kinder.

* Hintergrund: Der gesamte Anhalteweg bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h ist überschlägig etwa so lang, wie der Weg, den man mit 50 km/h nur während der Reaktionszeit zurücklegt. Ein plötzlich auftauchendes Hindernis vor dem man mit 30 km/h gerade noch zum stehen kommt, erreicht man in Folge dessen mit 50 km/h mehr oder weniger ungebremst.

Hinweis: Die Familie des Autors besitzt eine Immobilie am Streekmoorweg. Er ist in sofern persönlich betroffen.

22. Februar 2010 von Djure Meinen
Kategorien: 50hz (Djure Meinen), Streek | Schlagwörter: , , , | 1 Kommentar

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