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Ein Baby namens Djure

Ich habe einen äußerst seltenen (seltsamen?!) Vornamen, der sich zudem durch eine eher ungewisse Herkunft auszeichnet. Ich verdanke diesen Vornamen der rebellischen Laune meines Vaters und seiner Sympathie für einen Pastor, der seinen Sohn ein paar Jahre vor meiner Geburt auch so genannt hatte.

djure_kleinWoher der Name eigentlich stammt, ist nach wie vor ungewiss. Es soll Schweden geben, die Djure heißen und wohl auch ein paar Kroaten. Doch auch in diesen Nationen ist der Name eher eine exotische Ausnahme. Wahrscheinlicher ist die Entlehnung aus dem (Ost-)Friesischen. Rund um Leer gibt es viele Familien mit dem Nachnamen Djuren. Es liegt also nahe, dass es den Namen dort auch einmal als Vornamen gegeben hat.

Trotz intensiver Suche habe ich bis heute – außer meinem “Namensgeber” – kaum jemanden finden können, der ebenfalls Djure heißt. Bei Facebook gibt es ganze zwei, in den VZ-Netzwerken nur einen Djure. Und auch[Weiterlesen]

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NWZ: Noch mal zu Anstand und Urheberrechten

Mit deutlich gebremstem Schaum setzte die NWZ gestern ihre Berichterstattung über die Tragödie in Hude fort. Statt ausgelöscht wird jetzt nur noch umgebracht. Trotzdem geht es munter weiter im fragwürdigem Boulevardstil.

In einem reich bebilderten Beitrag im Regionalteil wird vier Spalten lang die Trauer einer 15-jährigen Freundin des Toten Mädchens ausgebreitet. “Um ihren Brief [an die tote Freundin] niederzulegen, möchte Janine allein sein”, endet dieser Teil des Artikels. Uups. Und vorher? Wollte sie da wirklich mit der Autorin der NWZ sprechen? War ihr bewusst, was sie da tut? Und was sagen die Eltern der Minderjährigen dazu?

Auch wirkt die – korrekte – Kürzung des Nachnamens der Toten reichlich lächerlich, wenn im gleichen Artikel die vollständige Adresse des Einfamilienhauses der Familie aufgeschrieben steht und erneut unverpixelte Fotos aller Opfer abgedruckt werden. Besonders interessant in diesem Zusammenhang: Fotos die am Freitag noch von “Privat” oder aus dem “Internet” stammten – und für die vermutlich keine Nutzungsrechte vorliegen – kommen am Sonnabend schon aus dem Archiv.

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Ausgelöscht?! Der Anstand in Reihen der NWZ

Vier Menschen sind tot. Gestorben in der Kleinstadt Hude zwischen Oldenburg und Bremen. Vermutlich eines gewaltsamen Todes. Auf welche Weise und warum ist weitgehend unklar. Die Umstände legen jedoch nahe, dass es sich um eine innerfamiläre Tat handelt. So weit,  so traurig.

Über den Fall ließe sich knapp und sachlich berichten. Aber das ergäbe weder eine Titelgeschichte noch wäre es Anlass für ein “Spezial” im Internet, mindestens 4 “Bildstrecken” mit bis zu 23 weitgehend aussagelosen Fotos und einen länglichen Beitrag auf NWZ TV.

Also besinnt man sich bei unserer Nordwest-Zeitung auf seine boulevardesken Fähigkeiten und spekuliert – vermutlich nach investigativerpenetranter Befragung von Nachbarn und Einsatzkräften – munter ins Blaue. Und damit das ganze ordentlich nach Qualm riecht, titelt man mit dem Wörtchen ausgelöscht.

Doch damit nicht genug. Natürlich müssen auch Bilder von Menschen her. Auf dem Titel der NWZ finden sich derer drei, deren Bildunterschriften nichts Gutes verheißen. Ich übersetze mal frei ins Deutsche: “Privat” steht vermutlich für “der Nachbarin abgeschwatzt” und “Internet” heißt “aus dem schülerVZ oder Facebook-Profil entwendet”. Beim dritten Foto steht “Archiv”. Im Beitrag von NWZ TV wird das gleiche Bild mit der Quelle “NWZ Inside” untertitelt. Damit hat der Verlag hier zumindest mal die Nutzungsrechte.

Doch warum überhaupt Bilder der Toten? Warum überhaupt Spekulation? Warum überhaupt eine Titelgeschichte? Gibt es irgendein öffentliches Interesse über die reinen Fakten hinaus, so lange nicht klar, ob dritte beteiligt sind?

Nein! Gibt es nicht. Es gibt nur das Interesse, mit dem Schicksal von Menschen Auflage zu machen. Und offenbar keine Skrupel, das Leid unmittelbar Betroffener hintan zu stellen.

Liebe Leute bei der NWZ. Ich bin bekanntlich wirklich gutwillig mit Euch. Aber mit Grenzüberschreitungen dieser Art verbraucht ihr eine Menge Kredit. Ich finde sogenannten Journalismus dieser Art nämlich einfach zum Kotzen.